Die Opferzahlen wurden im Laufe des Sonntagvormittags nach oben korrigiert. Laut Präsident Wolodymyr Selenskyj kamen allein bei einem Angriff mit ballistischen Raketen und Drohnen auf die Industriestadt Krywyj Rih – seine Heimatstadt – zwei Menschen ums Leben. Ein Mensch sei auch in Sumy im Nordosten des Landes getötet worden.
Sechs Menschen seien zudem verletzt worden. Russische Raketen töteten den ukrainischen Behörden zufolge auch zwei Menschen in der Region Saporischschja. Die Angaben der beiden Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig prüfen.
Luftalarm in Kiew
In Kiew gaben die Behörden in der Nacht Luftalarm heraus und warnten vor einer Bedrohung durch ballistische Raketen. Kiews Bürgermeister Witali Klitschko forderte die Einwohnerinnen und Einwohner auf, in ihren Schutzräumen zu bleiben.
In zwei Stadtbezirken gebe es Brände, die Feuerwehr sei an Ort und Stelle. Drei Personen wurden verletzt. Der Gouverneur der Region Kiew, Tymur Tkatschenko, teilte mit, bei Drohnenangriffen im Umland seien drei weitere Menschen verletzt worden, darunter ein Kind.

Die ukrainischen Luftstreitkräfte berichteten auf Telegram zudem von Angriffen mit Raketen, Gleitbomben und Drohnen auf andere Landesteile, neben Krywyj Rih etwa auch auf die Industriestadt Krementschuk.
Russland weitete Angriffe auf Kiew zuletzt aus
Weil es den ukrainischen Streitkräften nach viereinhalb Jahren Krieg an Munition zur Raketenabwehr mangelt, hat Russland seine Angriffe mit ballistischen Raketen auf Kiew und andere Städte zuletzt verstärkt.
Als effektivste Abwehr gegen ballistische Raketen, die aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit besonders schwierig abzufangen sind, gelten die von den USA produzierten Patriot-Systeme. Die ukrainische Armee hat mehrere davon, aber nicht genügend Abfangraketen, um sie effektiv einzusetzen.
Moskau: Ukraine griff mit 600 Drohnen an
Die Ukraine griff unterdessen die Region der russischen Hauptstadt nach Angaben von Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin in der Nacht mit rund 600 Drohnen an. Davon seien 201 in der Region Moskau von der Luftabwehr zerstört worden, schrieb Sobjanin auf der Plattform Telegram.
Die meisten Drohnen seien bereits vorher beim Anflug auf die Region abgewehrt worden, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur TASS den Bürgermeister. Sobjanin sprach von drei Verletzten. Er machte keine Angaben zu möglichen Schäden. Insgesamt habe Russland landesweit laut eigenen Angaben 822 Drohnen in der vergangenen Nacht abgeschossen.
Ukrainischer Angriff mit mehreren Todesopfern
Von einem der größten Angriffe der letzten Zeit sprach der Gouverneur des Moskauer Gebiets, Andrej Worobjow. Ein 83 Jahre alter Mann sei getötet worden, als eine Drohne auf sein Grundstück gefallen sei.
In Gebiet Rostow am Don im Süden Russlands starben bei einem ukrainischen Drohnenangriff laut Behörden mindestens drei Menschen. Ein Mensch sei verletzt worden, hieß es. Laut der Ukraine soll in Rostow eine Anlage zur Herstellung von Raketentreibstoff angegriffen worden sein. In der Stadt Podolsk rund 40 Kilometer von Moskau seien drei Menschen verletzt worden.
Zudem sei ein Feuer in einem Lager des größten russischen Onlineversandhandels Wildberries ausgebrochen, so Worobjow. Die Ukraine hatte dessen Einrichtungen zuletzt auch in anderen russischen Landesteilen angegriffen. In Domodedowo, wo auch einer der Moskauer Flughäfen liegt, sei zudem ein Lager mit Medikamenten in Brand geraten.
Eine der größten Angriffswellen bisher auf Moskau
Der ukrainische Angriff auf Moskau dürfte eine der größten bisherigen Angriffswellen Kiews sein. Ende Juli etwa berichteten russische Behörden von 390 Drohnen in einer Nacht, Anfang Juli waren es 452 gewesen.
Die Ukraine greift auch in anderen Landesteilen täglich an. Dabei waren zuletzt immer wieder Logistikzentren von Wildberries zerstört worden. Das Unternehmen bestätigte den neuen Angriff im Moskauer Gebiet und informierte, dass die Arbeit über andere Objekte abgewickelt werde.


